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2026-10-08
(c) Raul de Chissota - Wikipedia Hoch über Laas bei Kötschach-Mauthen thront die Ruine der einst mächtigen Pittersburg. Bereits 1252 urkundlich erwähnt, war sie über Jahrhunderte ein bedeutender Herrschafts- und Gerichtssitz der Grafen von Görz. Ihre strategische Lage ermöglichte die Kontrolle wichtiger Verkehrswege im Oberen Gailtal. Im Jahr 1445 wurde die Burg zum Schauplatz eines bemerkenswerten Machtkampfes: Katharina von Gara, Gemahlin des Görzer Grafen Heinrich IV., versuchte im Zuge der sogenannten Frauenfehde, die Festung einzunehmen. Rund 20 Bewaffnete stürmten die Anlage, doch die wachsame Burgbesatzung vereitelte den Angriff. 

Der Burgverwalter Tybolt Tobringer konnte den Angriff abwehren und berichtete am 2. Jänner 1445 über die Ereignisse. Der Vorfall verdeutlicht die Bedeutung der Pittersburg in den innerdynastischen Auseinandersetzungen jener Zeit.

Mit dem Frieden von Pusarnitz 1460 gelangte die Burg unter habsburgische Herrschaft. Einen bemerkenswerten Einblick in ihre Geschichte bietet der Reisebericht des Paolo Santonino. Dieser begegnete 1485 in Kötschach einem kaiserlichen Hauptmann namens Leonhard, der auf Pittersberg seinen Sitz hatte. Santoninos Schilderungen vermitteln ein lebendiges Bild des gesellschaftlichen Lebens im spätmittelalterlichen Gailtal.

Im 16. Jahrhundert verlor die Höhenburg zunehmend ihre ursprüngliche militärische Bedeutung. Verwaltung und Gerichtsbarkeit bestanden im Herrschaftsgebiet weiter, während die Anlage allmählich verfiel. Um 1650 war die einst mächtige Festung nicht mehr jener zentrale Herrschaftssitz, der sie im Mittelalter gewesen war. Ihre Mauerreste erinnern bis heute an vier Jahrhunderte regionaler Geschichte zwischen görzischer Herrschaft, habsburgischem Machtgewinn und dem Wandel mittelalterlicher Burganlagen.





Die kühne Katharina von Gara

ORF-Artikel - Die Burg Pittersberg lag oberhalb von Laas, am südlichen Gailbergsattel, auf einem markanten Felskegel. Heute sind noch Teile der Burganlage erhalten. Sie gehörte den Grafen von Görz und war ein wichtiger Verwaltungs- und Gerichtssitz für das Obere Gailtal. Die Verbindung zwischen Katharina von Gara und Kötschach-Mauthen ist sogar durch einen historischen Bericht vom 2. Jänner 1445 dokumentiert.



Was geschah am 1. Jänner 1445?

Katharina befand sich im Streit mit ihrem Ehemann, Graf Heinrich IV. von Görz, weil er ihr zugesicherte Einkünfte vorenthielt. Laut der von der Marktgemeinde veröffentlichten Ortsgeschichte geschah Folgendes:

  • Rund 20 bewaffnete Männer versuchten, die Burg Pittersberg zu stürmen.
  • Sie waren mit Handbüchsen, Schilden und Zündzeug ausgerüstet.
  • Die Burgbesatzung bemerkte den Angriff und konnte ihn abwehren.
  • Die Angreifer zogen sich anschließend zu einer größeren Streitmacht von etwa 200 teilweise berittenen Männern ins Tal zurück.

Der damalige Burgverwalter Tybolt Tobringer berichtete darüber am 2. Jänner 1445 an Graf Heinrich IV.



Warum wollte Katharina die Burg?

Katharina wollte ihre wirtschaftlichen und politischen Ansprüche gegenüber ihrem Ehemann durchsetzen. Die Einnahme seiner Burgen war ein Mittel, Druck auf ihn auszuüben. Pittersberg war dabei besonders bedeutend, weil die Burg nicht nur eine Befestigung, sondern auch Sitz eines Landgerichtes war. Die Kontrolle darüber hätte Katharinas Machtposition im Oberen Gailtal gestärkt. Das ist eine historische Einordnung; ein ausdrücklich überlieferter persönlicher Beweggrund für genau diesen Angriff ist nicht belegt.



Kötschach-Mauthen

Besonders spannend: Die Geschichte von Katharina ist damit auch ein konkretes Stück Ortsgeschichte von Kötschach-Mauthen – mit einem genau datierten militärischen Ereignis.

Geschichte des Gemeindegebietes von Kötschach-Mauthen
Franz Stephaner



Im ORF-Artikel wird beschrieben, dass Katharina im 15. Jahrhundert einen Machtkampf gegen ihren Ehemann, Graf Heinrich IV. von Görz, führte. Dabei spielte die Gegend um Kötschach-Mauthen eine Rolle:
  • Burg Pittersberg: Katharinas Streitmacht versuchte, die Burg im Oberen Gailtal einzunehmen. Dieser Angriff scheiterte.
  • Herrschaft der Görzer: Die Grafen von Görz, zu denen Katharina durch ihre Heirat gehörte, hatten Besitzungen und Herrschaftsrechte im Oberen Gailtal.
  • Grünburger Fehde (Frauenfehde): Der Konflikt zwischen Katharina und ihrem Ehemann erstreckte sich damit auch auf das Gebiet des heutigen Kötschach-Mauthen.
Das Interessante daran: Kötschach-Mauthen war somit nicht nur irgendein Ort am Rande dieser Geschichte, sondern mit der Burg Pittersberg unmittelbar Schauplatz des Machtkampfes.





Weil's dazu passt:



Die Reisen des Santonino

Am 3. Oktober 1485 hielt sich Santonino als Begleiter des Bischofs Pietro Carlo von Caorle in Kötschach auf. Dort nahm er an einem außergewöhnlichen Festessen teil, bei dem auch Herr Leonhard, der kaiserliche Hauptmann auf Burg Pittersberg, anwesend war.

Santonino bezeichnete Leonhard als bescheidenen und hochgebildeten Mann. Besonders ausführlich schilderte er das Festmahl, bei dem unter anderem ein Eichhörnchen in Kräutersoße serviert wurde. Anschließend sorgte ein Unterhaltungskünstler mit Zitherspiel, Waldhorn und humoristischen Darbietungen für Heiterkeit.

Das historisch Entscheidende: Santoninos Bericht belegt, dass die Pittersburg 1485 einen kaiserlichen Hauptmann namens Leonhard hatte, der am gesellschaftlichen Leben in Kötschach teilnahm.

Es ist allerdings nicht belegt, dass Santonino selbst die Pittersburg betreten hat. Die dokumentierte Begegnung fand in Kötschach statt.

Die Originalüberlieferung und weitere Einzelheiten findest du im wissenschaftlich aufbereiteten Itinerar des Paolo Santonino der Universität Graz. Links zu den Reisen des Santonino




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Ingo Ortner
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