deine.Unterkunft • Google Maps • Impressum • Datenschutz
Impressum

Ehrenamtliche Information
Alle Recherchen dieser Plattform stehen seit Jahren kostenlos zur Verfügung. Ein Anerkennungsbeitrag ist willkommen.



Sport 2000 Putz


Weniger, dafür besser
PREVIOUS BLOG LISTE HOME FUNDRAISING EMAIL SHARE NEXT
2026-10-09
(c) Gerald Köstl

Kleine Zeitung · Freitag, 9. Oktober 2026 · Von Martina Marx

Zum Tag der psychischen Gesundheit: Gehen bringt die Gedanken in Bewegung. Psychiater Reinhard Haller erklärt, wieso Wandern für unsere mentale Gesundheit so förderlich ist.

Wandern ist also gut für unsere Psyche, es stärkt unsere Selbstwirksamkeit – wieso?

REINHARD HALLER: Ich beziehe mich in meinem Buch auf das Wandern, aber die Erkenntnisse gelten für viele Ausdauersportarten. Nur diese können viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen oft nicht ausüben. Wandern hingegen steht jeder und jedem offen: Es ist zugänglich, man muss nicht begabt sein, man braucht keine teure Ausrüstung. Wandern hat drei Wirksamkeitsfaktoren: Bewegung: Wenn wir uns bewegen, kommt es unter anderem zu einem Anstieg der Glückshormone im Gehirn, der zu einem positiven psychischen Effekt führen kann. Das Zweite ist das Naturerleben. Die Natur ist ein seelischer Resonanzraum, in dem man Gefühle ausleben kann. Und drittens die Selbstwirksamkeit: Das bedeutet, dass man auch mit schwierigen Situationen aus eigener Kraft zurechtkommen kann. Hier geht es darum, sich sprichwörtlich Schritt für Schritt fortzubewegen. Mit jedem Schritt entfernt man sich aus dem Ärger, den man zu Hause oder am Arbeitsplatz hat, entfernt man sich vom Stress, dem man ausgesetzt ist. Infolge löst man Schritt für Schritt Denkblockaden und baut Stress, Ängste und Depressionen ab. Das erhöht natürlich das Selbstvertrauen, dass man selbst etwas bewirken kann.

Lernen wird durch dieses „Schritt für Schritt“ auch, große Probleme in kleinere, bewältigbare Einzelteile zu zerlegen?

Ja, in der Tat. Denn wenn ich eine Wanderung mit 4000 Höhenmetern bewältigen möchte, scheint das für viele erst einmal kaum machbar. Aber einen Fuß vor den anderen zu setzen, das schafft jede und jeder. Wenn Geduld und Disziplin hinzukommen, merkt man, dass man sich weiterentwickelt, dass – auch im übertragenen Sinn – große Anstiege plötzlich bewältigbar werden.

Macht es einen Unterschied, ob ich alleine oder mit anderen wandere?

Das hängt davon ab, was man mit der Wanderung erreichen möchte. Wenn ich eher meditieren, mit mir selbst etwas ausmachen möchte, dann werde ich eher alleine gehen. In einer Partnerschaft, wenn es etwas zu diskutieren gibt, kann das Hintereinandergehen oder das Nebeneinandergehen beim Wandern auch sehr hilfreich sein. Denn dann hat man nicht diese „Face-to-Face“-Situation, die trägt ja auch dazu bei, dass die Erregung steigt. Geht man aber eher versetzt, dann ist das eine andere Art der Kommunikation, aber gleichzeitig baut man auch Schritt für Schritt Frust ab. Beim Wandern spricht man einfach anders miteinander.

Und welchen Effekt hat die Umgebung oder ist es egal, wo ich wandere?

Nein, das sollte man schon unterschiedlich gestalten. Will ich eher mit mir alleine sein, dann sollte ich eher eine flache Wanderung wählen. Will ich Aggressionen oder Frust abbauen, dann brauche ich eine Wanderung im Steilen. Wenn ich eher auf der Suche nach kreativen Ideen bin, dann hilft es, entlang eines Bachlaufes oder in einem rauschenden Wald zu wandern – diese Geräusche regen die Fantasie an.

Sie empfehlen Wandern auch bei psychischen Erkrankungen?

Grundsätzlich ja, aber: Bei schweren Erkrankungen braucht es nach wie vor professionelle Hilfe. Aber bei jenen psychischen Problemen, die einen Großteil der Fälle ausmachen – Erschöpfungszustände, Ärger, Gekränktheit, Ängstlichkeit zum Beispiel –, kann man mit Wandern viel erreichen. Das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen. Hinzu kommt: In unserer bewegungsarmen Zeit brauchen wir mehr Selbsthilfe, denn Psychotherapieplätze sind oft nicht verfügbar. Untersuchungen zeigen uns aber, dass Wandern bei leichten bis mittelschweren Depressionen, wenn man es in einer gewissen Regelmäßigkeit macht, mindestens so wirksam ist wie die besten Medikamente. Ich unterstreiche an dieser Stelle: bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Wandern bei einem Burnout differenziert zu betrachten ist. Was meinen Sie damit?

Burnout kommt durch Erschöpfung, auch durch Übermüdung, zustande. Wenn ich nun etwas Zusätzliches auftrage, etwa „Sie müssen eine Stunde wandern gehen“, würde das Burnout verstärken. Aus diesem Grund muss man Wandern in Verbindung mit Burnout anders betrachten. In diesem Fall kann Wandern vor allem einen vorbeugenden Effekt haben. Wenn ich die Krankheit selbst schon habe, dann glaube ich, muss man sehr vorsichtig damit umgehen und erst im Laufe der Heilung wieder andere beziehungsweise zusätzliche Elemente in den Tagesablauf einbauen, um nicht noch mehr Druck aufzubauen.

Viele Leserinnen und Leser werden sich an dieser Stelle denken: „Mein Leben ist schon so voll mit Familie und Arbeit – wie finde ich noch zusätzlich Zeit zum Wandern?“ Und wie viel Zeit sollte ich aufwenden, damit Wandern seine positiven Effekte entfalten kann?

Genau, wir wollen ja nicht noch mehr Druck erzeugen, wie vorhin erwähnt. Aber chinesische Wissenschaftler haben herausgefunden, wenn man einmal in der Woche, aber für einen längeren Zeitraum, Bewegung macht, dann hat das fast den gleich guten Effekt, wie wenn man jeden Tag eine kürzere Spanne macht. Ich denke, gerade für Berufstätige ist das interessant zu wissen, denn sie können tatsächlich nicht jeden Tag gehen.

Wo und wie wandern Sie denn am liebsten?

Ich gehe einmal in der Woche wandern und zwar wirklich konsequent – da führt die Eisenbahn drüber. Wir sind eine Gruppe von vier gleichaltrigen Menschen mit ähnlicher Kondition. Und in der Gruppe geht man eher regelmäßig, als wenn man immer alleine unterwegs ist – positiver Gruppendruck sozusagen. Ich persönlich mag das Wandern im Gebirge am liebsten, denn es ist am abwechslungsreichsten. Und oft ist es dort oben einsam, man trifft keine Menschenseele. Und das ist, denke ich mir, in unserer heutigen Zeit ein wichtiger Wert, dass es doch noch Orte der Einsamkeit gibt.



Infokasten

20 Prozent der Menschen in Österreich bis zum Alter von 29 Jahren bewerten laut Austrian Health Report ihren psychischen Gesundheitszustand als „sehr gut“. Bei Über-60-Jährigen sind es 39 Prozent. Buchtipp

„Wandern für die Seele – Die psychotherapeutische Wirkung des Gehens“ von Reinhard Haller. Erschienen bei edition a-Verlag, 272 Seiten, 26,95 Euro. Unterstützung und Anlaufstellen - Online bestellen


Bei psychischen Problemen kann die Hausärztin oder der Hausarzt eine erste Anlaufstelle sein.

PsyNot Steiermark: Die kostenfreie Hotline ist 24 Stunden am Tag unter 0800 44 99 33 zu erreichen.

Psychiatrischer Not- und Krisendienst: Kärnten West 0664 3009003, Kärnten Ost 0664 3007007. Die Telefonseelsorge ist unter der Notfallnummer 142 zu erreichen.

Der Notfallpsychologische Dienst hilft unter Tel. 0699 18 85 5400. Weitere Informationen unter www.notfallpsychologie.at.




SOLLTEST DU LESEN:
Buchtipps aus der Carnia und aus Kärnten als Vorbereitung auf die Region "Senza Confini".



Friaul Julisch Venetien - Friuli Venezia Giulia: 50 Jahre Erdbeben

(c) amazon (c) amazon (c) amazon

Friaul Julisch Venetien - Friuli Venezia Giulia

(c) amazon (c) amazon (c) amazon

Karten- und Tourenplaner

(c) amazon (c) amazon (c) amazon


Noch mehr Buchtipps

Klick hier ...





Ingo Ortner
EINLADUNG
An alle, die für Neues und Gutes brennen und in der Lage sind, über den Tellerrand zu blicken. Jederzeit gerne. Keine Sorge: Nichtstun und "scheinbar fehlerfrei" alles beim Alten zu lassen, ist die schlechtere Option.



FUNDRAISING
Seit einer gefühlten Ewigkeit viele hundert Stunden pro Jahr recherchieren, texten, telefonieren, E-Mails beantworten, sich Dorfdiskussionen respektvoll stellen, damit Einheimische, Freunde und Gäste stets einen aktuellen und guten Termin- und Themenüberblick über das Dorf haben.
Wenn dir das etwas wert ist, DANKE!

1-Klick-PayPal-Donation



Ingo Ortner | T +43 699 12647680
info@bergsteigerdorf-mauthen.at








PREVIOUS BLOG LISTE HOME FUNDRAISING EMAIL SHARE NEXT




mehr ...

Zurück zur Listenausgabe










×