
Der Flughafen Klagenfurt
LEITARTIKEL Wolfgang Fercher
Chefredakteur Kärnten & Osttirol
Was der Erfolg des Flughafens Triest für Klagenfurt bedeutet
Der
Flughafen Triest schreibt Rekordzahlen und ist ein übermächtiger Mitbewerber für Klagenfurt. Den hiesigen Flughafen zuzusperren wäre trotzdem eine Selbstaufgabe.
Am „Ronchi dei Legionari” können wieder einmal die Sektkorken knallen. Der Flughafen, der rund 30 Kilometer nordwestlich von Triest liegt und den Namen jener Gemeinde trägt, die nach dem Aufbruch der kriegerischen Legionäre rund um den Dichter Gabriele D’Annunzio in Richtung Fiume benannt ist, blickt neuerlich auf Rekordzahlen.
1,65 Millionen Passagiere wurden im Jahr 2025 gezählt – so viele waren es in der Geschichte des Triester Flughafens noch nie. Allein im Vergleich zu 2024 gab es ein Passagierplus von 25 Prozent. Binnen weniger Jahre konnte die Zahl der Fluggäste, die 2014 noch bei rund 700.000 lag, mehr als verdoppelt werden. 27 Ziele werden ab Triest direkt angeflogen, der internationale Flugverkehr wächst kontinuierlich.
„Triest auch Infrastruktur für Kärnten“
Die beeindruckende Entwicklung ist einer
konsequenten Strategie, der Positionierung als Alternative zu Venedig und Treviso, potenten Investoren und einer starken Symbiose mit dem Billigflieger Ryanair zu verdanken. Auch die Region Friaul-Julisch Venetien unterstützt den Flughafen ordentlich und profitiert laut Studien durch enorme zusätzliche Wirtschaftsleistung.
Flughafen-Präsident Antonio Marano sieht den Flughafen Triest, der mittlerweile sogar Ljubljana/Laibach (rund 1,5 Millionen Passagiere) überholt hat, schon
seit Jahren „auch als Infrastruktur für Kärnten“. Für viele Kärntnerinnen und Kärntner ist, neben „LJU“, „TRS“ längst zum Heimatflughafen geworden, der
an der Autobahn liegt und auch
mit dem Zug erreichbar ist. Schön zu sehen, dass Heimat nicht mehr an der Landesgrenze endet, sondern den Alpen-Adria-Raum umfasst.
Der Erfolg der Flughäfen in den südlichen Nachbarländern macht sie zu einem
übermächtigen Mitbewerber für den Flughafen Klagenfurt, der 2025 rund 175.000 Passagiere zählte. Die Zahlen sind auch Wasser auf die Mühlen jener
größer werdenden Gruppe, die dem
Klagenfurter Flughafen seine Existenzberechtigung abspricht und jede weitere Investition als Geldverschwendung sieht. Die
Kritiker haben, mit Blick in den Süden, auf die
Koralmbahn und die
Eröffnung des Semmeringtunnels 2030, sehr gute Argumente.
Einmal noch durchstarten
Land und Stadt würden sich ohne diese Infrastruktur Millionen ersparen – und trotzdem wäre ein Zusperren des Klagenfurter Flughafens eine Selbstaufgabe und käme einer weiteren Verzwergung des Landes gleich. Weiter zum vollständigen Artikel ...
KLEINE, vom 16.01.2026
Daten & Fakten: 200km Radius KLU, Klagenfurt
mit gesamt 10 Mio Passagieren (KLU 175.000 = 1,7%)
Ljubljana Joze Pucnik Flughafen (LJU) – Ljubljana, Slowenien (ca. 45–49 km).
Flughafen
Graz (GRZ) – Graz, Österreich (ca. 90–95 km).
Triest Flughafen (TRS) – Triest, Italien (ca. 113 km).
Salzburg Flughafen (SZG) – Salzburg, Österreich (ca. 160–197 km).
Flughafen
Rijeka (RJK) – Rijeka/Krk, Kroatien (ca. 160 km).
Zagreb Flughafen (ZAG) – Zagreb, Kroatien (ca. 168 km).
Linz Flughafen (LNZ) – Linz, Österreich (ca. 177 km).
Treviso Flughafen (TSF) – Nähe Venedig, Italien (ca. 198 km).
Pula Flughafen (PUY) – Pula, Kroatien (ca. 198 km).
Das Ergebnis FLUGHAFEN KLAGENFURT KLU
in einer x-beliebigen Woche in Zahlen
... im Vergleich zum Ergebnis der Plöckenstraße
Ankünfte KLU
Datum,Wochentag,Flugnummer,Airline,Von,Planzeit,Flugzeugtyp_typisch,Max_Pax
2026-03-02,Montag,FR1268,Ryanair,London-Stansted (STN),09:20,Boeing 737-800 (B738),189
2026-03-02,Montag,OS109,Austrian,Wien (VIE),13:55,Embraer E195,120
2026-03-03,Dienstag,OS109,Austrian,Wien (VIE),13:55,Embraer E195,120
2026-03-04,Mittwoch,OS109,Austrian,Wien (VIE),13:55,Embraer E195,120
2026-03-05,Donnerstag,OS109,Austrian,Wien (VIE),13:55,Embraer E195,120
2026-03-05,Donnerstag,OS111,Austrian,Wien (VIE),23:20,Embraer E195,120
2026-03-06,Freitag,OS109,Austrian,Wien (VIE),13:55,Embraer E195,120
2026-03-07,Samstag,FR1268,Ryanair,London-Stansted (STN),09:05,Boeing 737-800 (B738),189
2026-03-07,Samstag,OS109,Austrian,Wien (VIE),10:30,Embraer E195,120
2026-03-07,Samstag,OS114,Austrian,Hamburg (HAM),15:15,Embraer E195,120
2026-03-08,Sonntag,OS109,Austrian,Wien (VIE),10:30,Embraer E195,120
2026-03-08,Sonntag,OS111,Austrian,Wien (VIE),23:20,Embraer E195,120
Bei Vollauslastung aller Flieger ergibt das
1.578 maximale Passagiere (Ankünfte/Woche)
≈ 225,4 Passagiere pro Tag (Ankünfte/Tag)
≈ 82.281 Max-Passagiere pro Jahr (Ankünfte/Jahr)
02.03.2026 Montag 309
03.03.2026 Dienstag 120
04.03.2026 Mittwoch 120
05.03.2026 Donnerstag 240
06.03.2026 Freitag 120
07.03.2026 Samstag 429
08.03.2026 Sonntag 240
Mitarbeiter KLU
Betreiber-GmbH: etwa 72 Beschäftigte (offizielles Unternehmensprofil), Quelle Wikipedia
Gesamtes Flughafenpersonal: etwa 110–120 Mitarbeitende, laut Stellenportal und Presseberichten (inkl. operativem Personal), Quelle Kleine Zeitung
Im Durchschnitt ist
1 Mitarbeiter/-in für 2 ankommende und 2 abfliegende Fluggäste zuständig.
Zum Vergleich - Ankünfte Plöckenpass-Straße
1200 Auto fahren im Tagesschnitt über den Plöckenpass
600 hin, 600 her - in jedem Auto sitzen 2-3 Personen. Ergibt:
2,5 * 600 = 1500 Ankünfte in Kötschach-Mauthen pro Tag
Pro Tag verzeichnet die Plöckenpass-Straße gleich viele Ankünfte
wie der Flughafen KLU in einer ganzen Woche.
Personalkosten quasi 0 Euro (wenn überhaupt, dann sind hier die überschaubaren Personalkosten der Straßenmeisterei in Stundeneinheiten als Vergleichswert zulässig).
Eine sachliche Analyse
Mengenmäßig ist der Personenstrom über die Plöckenpass-Straße deutlich größer als jener des Flughafens Klagenfurt. Bei rund 1.500 Ankünften pro Tag (600 Fahrzeuge mit durchschnittlich 2,5 Personen) erreicht die Straße an einem einzigen Tag in etwa das Volumen, das der Flughafen bei Vollauslastung aller Flüge in einer Woche erzielt (1.578 Ankünfte bzw. rund 225 pro Tag). Rein quantitativ ist die Straße somit klar dominierend.
Gesamtwirtschaftlich ist jedoch nicht allein die Zahl der Ankünfte entscheidend, sondern die dadurch ausgelöste Wertschöpfung. Flugreisende sind überdurchschnittlich häufig internationale Touristen oder Geschäftsreisende. Sie haben tendenziell höhere Pro-Kopf-Ausgaben, eine größere Wahrscheinlichkeit zu übernachten und konsumieren verstärkt in Hotellerie, Gastronomie, Freizeitwirtschaft und Handel. Zudem stärkt ein Flughafen die internationale Erreichbarkeit Kärntens und kann dadurch Investitionen, Fachkräfte und unternehmerische Aktivitäten erleichtern. Seine Bedeutung liegt daher nicht nur im direkten Passagieraufkommen, sondern auch in indirekten Standort- und Produktivitätseffekten.
Der Verkehr über den Plöckenpass erfüllt primär regionale Verbindungs- und Durchgangsfunktionen. Ein Teil der Fahrten entfällt auf Pendler, Tagesausflüge oder Transitverkehr, bei dem die zusätzliche regionale Wertschöpfung pro Kopf geringer ausfallen kann. Allerdings trägt auch die Straße wesentlich zur Grundversorgung, zur regionalen Integration und zum Tourismus im Grenzraum bei.
Kostenmäßig erscheint die Straße oft günstiger, da ihre Aufwendungen breit im öffentlichen Budget verteilt sind. Tatsächlich entstehen jedoch ebenfalls erhebliche Infrastruktur-, Instandhaltungs- und Umweltkosten. Der Flughafen hingegen bündelt hohe Fixkosten in einer Organisation und wirkt bei niedriger Auslastung kostenintensiv.
Gesamtwirtschaftliche Bewertung: Für Kärnten erfüllt die Plöckenpass-Straße
(seit jeher und idealerweise ganzjährig) eine hohe mengenmäßige und regionale Versorgungsfunktion mit breiter Alltagsrelevanz. Der Flughafen hingegen hat trotz geringerer Volumina eine strategische Bedeutung als internationales Eingangstor und potenzieller Hebel für hochwertige Wertschöpfung. Ökonomisch sinnvoll ist daher keine Entweder-oder-Betrachtung, sondern eine Differenzierung: Die Straße sichert regionale Stabilität und Mobilität, der Flughafen kann – bei ausreichender Auslastung – überproportionale Impulse für Tourismus, Unternehmensansiedlung und Wettbewerbsfähigkeit setzen.
Genau das gelingt dem Flughafen Klagenfurt neben Graz, Laibach und Triest seit Jahren leider nicht. Die Koralmverbindung nach Graz wird sich auf lange Zeit wohl auch als Frequenznachteil für KLU herausstellen. Entscheidend ist letztlich, ob die durch den Flughafen induzierte zusätzliche Wertschöpfung langfristig seine strukturellen Fixkosten übersteigt.
Zuerst die Pflicht ...
Statt auf einem "Minimundus-Flughafen" zu beharren, sollte sich Klagenfurt und damit das Land Kärnten darauf fokussieren, dass mit Graz, Laibach, Triest und Venedig - in Kombination mit einem guten Bahnangebot - gleich mehrere internationale Tore für das Land offenstehen.
In Zeiten sehr beschränkter Landesbudgets sollte das Hauptaugenmerk auf den regional wichtigeren internationalen Straßenverbindungen liegen. Sie lieferern jetzt und sofort (und nicht erst in ferner Zukunft) Impulse für die regionale Wirtschaft.
und weitergedacht:
update 28.04.2026
Bei 175.347 Passagieren 2025 liegt der Flughafen zwar im Aufwind, aber noch weit unter früheren Niveaus. Gleichzeitig plant das Land für 2026 rund 9,5 Mio. Euro für Investitionen; der laufende Abgang soll von 8 Mio. auf 4 Mio. Euro gesunken sein.
Grob gerechnet bedeutet das:
Je Jahrespassagier - Zuschuss von EUR 77
- 9,5 Mio. Euro Investition / 175.347 Passagiere = ca. 54 Euro je Jahrespassagier
- 4 Mio. Euro Abgang / 175.347 Passagiere = ca. 23 Euro laufender Zuschuss je Passagier
Das ist für einen kleinen Regionalflughafen viel.
Urteil: Investitionen sind nur dann gerechtfertigt, wenn sie klar begrenzt, kontrolliert und an messbare Ziele gebunden sind – etwa stabile Passagierzahlen über 200.000, weniger Betriebsabgang, mehr Eigenerlöse aus Verpachtung/Gewerbeflächen und ein realistischer Weg zur Zuschussfreiheit ab 2028. Dieses Ziel wurde politisch genannt.
Nicht gerechtfertigt wären Millioneninvestitionen, wenn sie nur laufende Verluste kaschieren oder auf die
Hoffnung setzen, dass Ryanair/Eurowings dauerhaft bleiben. Dafür ist der Flughafen zu abhängig von wenigen Strecken; schon der Ausfall London kann mehrere Prozent des Jahresaufkommens kosten.
Zusätzlich spricht die Rechnungshof-Kritik zur früheren Teilprivatisierung für strenge Kontrolle: Der LRH kritisierte u. a. die damalige Struktur, bei der der Investor 74,9 % erhielt, während Land und Stadt aus der Teilprivatisierung kein Verkaufsgeld zufloss.
Fazit:
- Ja, kleinere, zielgerichtete Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit und verwertbare Immobilienflächen können vertretbar sein.
- Aber dauerhafte Millionenhilfen ohne harte Erfolgskriterien sind unter diesen Passagierzahlen wirtschaftlich schwer zu rechtfertigen.
Prognosetrend 2026 für KLU: "Schrumpfung"
Der Ausblick für 2026 war zunächst positiv: zusätzliche Verbindungen wie Köln/Bonn, häufigere Flüge nach London und Palma sowie mehr Charterverkehr und eine stabile Anbindung durch Austrian Airlines nach Wien sollten das Wachstum stützen.
Inzwischen trüben jedoch Einschnitte das Bild:
Ryanair setzt die London-Flüge im Herbst aus, und der
AUA-Night-Stop entfällt für elf Wochen, wodurch wichtige Frühverbindungen wegfallen.
Das reduziert sowohl touristische als auch geschäftliche Nachfrage. Zwar plant die AUA im Sommer 2026 größere Flugzeuge und damit rund 20 % mehr Sitzplätze, doch dieser Effekt gleicht die Verluste nur teilweise aus. Unter dem Strich ergibt sich daher eine vorsichtig reduzierte Erwartung von etwa 165.000 Passagieren im Gesamtjahr.
Prognosetrend 2030
Ein
optimistischeres Szenario würde zusätzliche Verbindungen oder eine stärkere Präsenz von Airlines voraussetzen. Eine Rückkehr zu Höchstwerten ist unter den aktuellen Marktbedingungen
unrealistisch.
Insgesamt gilt für den KLU ein
Risikoszenario als realistisch, das insbesondere für kleinere Regionalflughäfen
typisch ist. Sollten wichtige Airlines ihr Engagement reduzieren oder Strecken eingestellt werden, könnte das Passagieraufkommen erneut stagnieren oder sogar sinken. Werte zwischen 150.000 und 170.000 Passagieren im Jahr 2030 wären in diesem Fall plausibel.
Insgesamt zeigt sich, dass der Flughafen Klagenfurt heute deutlich sensibler auf Veränderungen im Streckennetz reagiert als noch vor 15 oder 20 Jahren. Die Zukunft bis 2030 wird daher weniger von großen Sprüngen als vielmehr von der Stabilität einzelner Verbindungen geprägt sein. Ein moderates Wachstum gilt als wahrscheinlich, bleibt jedoch eng an die strategischen Entscheidungen weniger Fluggesellschaften gebunden.
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